Donnerstag, 25. Juni 2009

Wieder daheim - Fazit

Mittlerweile sind wir wieder zuhause und blicken zurück auf eine wunderbare Reise, die wir nur empfehlen können - ausser vielleicht dem Besuch in Hong Kong, der nicht unbedingt nötig ist, besonders wenn man Shanghai gesehen hat, die genialste City der heutigen Zeit!!

China hat uns sehr erstaunt und hat sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Auch als Individualist wird man mittlerweile überall freundlich empfangen und ernst genommen. Das Land bezaubert mit sehr freundlichen Menschen, spektakulären Landschaften, einer enormen Entwicklung die überall zu erkennen ist, sogar der Umweltschutz wird überall propagandiert! Wir haben ein gutes Gefühl und sind sicher, dass China touristisch noch ganz gross herauskommen wird!

Jetzt ist es eher noch ein wenig Geheimtipp, man weiss gar nicht, was da weit weg alles tolle verborgen ist, es ist sehr günstig und einfach ein ideales Reiseland, in dem wir sicher nicht das letzte Mal gewesen sind!

Samstag, 6. Juni 2009

Kulturschock Hong Kong

Um nach Hong Kong zu gelangen, muss man aus China ausreisen und offizielle Zollformalitäten vornehmen, die wieder einmal eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. Wir gelangen über Shenzen nach Hong Kong, und müssen dazu den Zug verlassen und danach mit einer Metro bis zum Stadtzentrum weiterfahren.
Der Kulturschock könnte grösser nicht sein – urplötzlich sind wir nicht mehr in China, geografisch zwar schon und seit ein paar Jahren eigentlich auch politisch, doch vom Auge und all den Verboten her ist Hong Kong von London kaum zu unterscheiden!

Da es Anja nicht so gut geht und sie im Zug ständig erbrechen musste, sind wir ja noch ganz froh, in einer „europäischen „ Welt zu sein, doch ehrlich gesagt frage ich mich schon bald, ob das wirklich besser ist… Ganz im Gegensatz zu den modernen chinesischen Städten sieht Hong Kong wie ein Relikt vergangener Zeiten aus, eine Stadt, die vielleicht in den 80er Jahren den grössten Glanz erlebt und mittlerweile hinter sich gelassen hat. Eine Stadt, deren Lack überall abgekratzt ist.
Ganz gut gelangen wir mit der Metro bis zu unserem Hotel in Kowloon. Wir wohnen im YMCA direkt am Victoria Harbour und haben eine wunderbare Sicht auf die ganze Skyline. Jeden abend um 8 Uhr findet eine Lichtshow statt, und die Wolkenkratzer senden verschiedene Laser- und Leuchtsignale. Auch das hatte ich mir noch ein wenig spektakulärer vorgestellt, wie sich auch bei unserem weiteren Aufenthalt herausstellt, hatte ich von Hong Kong ganz einfach zu viel erwartet. Ich hatte gedacht, die Stadt müsse alles bisherige übertreffen, doch das war weit gefehlt und wir hätten diese Destination wohl eher am Anfang der Reise besuchen sollen. Nicht zu vergessen dass wir nicht gerade bester Laune sind, weil Anja die ganze Zeit erbrechen muss und es auch noch extrem heiss und schwül ist….

Die berühmte Nathan Road, Goldene Meile der Stadt, besteht nur aus Markenartikelshops in denen wir nichts verloren haben. Einzige eine richtige Bäckerei vermag uns ein wenig zu begeistern. Die Star Ferry, die die Passagiere nach Hong Kong City bringt, sieht man ihre 100 Jahre auch aus weiter Ferne an und für das Tram zum Peak blättert man ein Vermögen hin. Überhaupt ist in Hong Kong alles 10 x so teuer wie im Resten China, und man bekommt trotzdem nicht mehr fürs Geld.
Auf dem Peak haben wir durchzogenes Wetter, doch der Bericht für die nächsten Tage ist noch schlechter. Mit dem Bus – einem Doppelstöcker wohlverstanden – fahren wir wieder vom Berg in 100 Kurven herunter. Mit einem anderen Bus – Taxis können wir uns hier keine mehr leisten, fahren wir eine lange Strecke bis nach Aberdeen, wo die Dschunken vor Anker liegen und die Leute auf den Schiffen wohnen. Hier ist auch der grosse Fischmarkt, der doch einen sehr sauberen Eindruck macht. Mit einer gratis Fähre lassen wir uns zum Floating-Restaurant bringen, einem Gebilde aus Pontons auf denen mehrere Prunkvolle Speiserestaurants erbaut wurden.

Am nächsten Tag regnet es in Strömen und wir nutzen die Zeit. Um den Goldfisch Markt zu besuchen und ein wenig shoppen zu gehen. Endlich finde ich doch noch einen Markt der mir gefällt und ich kaufe nach Herzenslust ein. Kaum zurück im Hotel, geht es mir und Anja gar nicht mehr gut. Wir haben Bauchschmerzen, die nicht zum Aushalten sind, und alle unsere Medikamente nützen nichts. Beide erbrechen die ganze Zeit und es ist uns elend zu mute. So elend, dass ich am Schluss den Doktor rufen lasse, der für ein Vermögen von rund 700.- CHF uns im Hotel aufsucht und mit antibiotika versorgt. Ich bekomme noch eine menge weiterer Medikamente und es ist wieder einmal eigenartig zu sehen, dass unsere Heimapotheke oft im Ausland einfach wirkungslos ist!!! Nach Hongkongnesischer Rezeptur genesen wir relativ rasch wieder und können die weitere Reise – die in grosser Gefahr war, planmässig antreten.

Dienstag, 2. Juni 2009

Guilin & Li-River

Guilin ist eine geschäftige Stadt und zum Glück erscheint sie sauberer und gepflegter als Kunming. Vielleicht liegt das zwar auch daran, dass es heute ab und zu regnet, aber auf jeden Fall sind wir froh, nun hier zu sein. Wir wohnen im Lakeside Inn, einem sehr hübschen Gästehaus mit nur drei Zimmern direkt neben dem See mit seinen hübschen Pagoden.
Aufgrund des unbeständigen Wetters entschliessen wir uns kurz nach unserer Ankunft, mit dem Bus zur berühmten Schilfrohrflötenhöhle zu fahren. Das geht soweit ganz gut, ausser dass sich immer mehr Menschen in den Bus drängen und als dieser eine Vollbremsung macht, die ganze Menschenmasse und auch wir unseren Halt verlieren und uns nur mit viel Glück nicht verletzen. Der Bus ist superbillig, 1 Yuan im Gegensatz zu etwa 30 Yuan die das Taxi für diese Strecke kosten würde. Wir wissen bereits, dass man in Guilin aufpassen muss – die 13 Millionen Touristen die pro Jahr herkommen, haben nicht nur Gutes angerichtet, und so sind viele Leute zu regelrechten Touristenjägern geworden, und am Schluss unseres Aufenthaltes werden wir die Einladung zur Fahrt mit dem traditionellen Bambus-Boot nicht mehr hören können…
Doch nun wandern wir zur Schilfrohrflötenhöhle hinauf, es regnet ab und zu, ist aber immer noch sehr heiss. Zum Rundgang in der Höhle wird man einer Führung zugeteilt, damit man keinen Schaden anrichtet (ja, es gibt tatsächlich Leute, die Tropfsteine abbrechen und als Souvenir mitnehmen oder verkaufen…!!). Die Höhle ist der Wahn, riesengross, mit verschiedenen Seen und einem Bach, und mit einer Beleuchtung inszeniert, die für die einen vielleicht kitschig wirken mag, in Natura aber wirklich sehr gut aussieht.
Am nächsten Tag werden wir wieder von einem Alex im Gästehaus abgeholt und fahren mit dem Minibus etwa 30 Minuten bis zur Schiffsstation, von wo aus wir nun unsere Schifffahrt auf dem wunderschönen Li-Fluss starten werden. Der Zirkus hier ist unglaublich – bis zu 150 Schiffe legen die Strecke bis Yangshou pro Tag zurück, jedes Schiff fast rund 150 Touristen! Hier sehen wir das erste mal relativ viele Touristenbusse und Gruppen, wobei es sich aber immer noch recht gut verteilt und uns zum Glück nicht weiter stört. Wir haben das Schiff Nr. 3, und dürfen im oberen Stock zuvorderst Platz nehmen. Nach der Abfahrt kann man sich auch auf dem offenen Oberdeck aufhalten um rundherum zu fotografieren. Die Fahrt und die Landschaft sind atemberaubend, es gibt nichts Vergleichbares und ist nur verständlich, dass es so viele Touristen anzieht. Der Li-River schlängelt sich in unzähligen Kurven durch die spektakuläre Karstlandschaft, überall sieht man wieder Fischerdörfer und Inselchen, auf denen Wasserbüffel weiden, tausende Bambusschiffe tuckern den Flussabwärts, und wir mit ihnen. Ganz eigenartig ist die Fahrweise, obwohl es jetzt viel Wasser hat, müssen sich die Schiffe trotzdem den Weg zwischen den Sandbänken und sonstigen Hindernissen suchen, und fahren oft ganz lustig im Zickzack den Fluss hinab. Zwischen Yangdi und Xingping kommt die schönste Strecke, und unsere Kamera läuft langsam heiss. Wir fahren an Xingping vorbei bis nach Yangshou, obwohl wir später hier übernachten werden, doch Yangshou möchten wir auch gerne noch sehen und die Flussfahrt auch im Ganzen erleben, obwohl sie nach Xingping nicht mehr so spannend ist.
Yangshou ist eine weitere Touristenhochburg – früher einmal Lonely-Planet Geheimtipp, ist die 300 Meter lange Fussgängerzone heute völlig überlaufen und wir sind froh, bald das Gewühl hinter uns zu haben. Mit dem Minibus, der übrigens auch unser schweres Gepäck transportiert hat, fahren wir nun rund 40 Minuten bis nach Xingping, immer noch durch tolle Landschaft. Xingping ist heute der Geheimtipp, wenn man noch etwas Ursprünglichkeit sucht. Zwar halten tagsüber auch Miriaden von Touristen hier an, doch die sind auch schnell wieder weg und es kehrt bald Ruhe ein. Interessant ist, das Xingping eigentlich die älteste Stadt der Region ist und vor allen anderen ihre Blütezeit erlebte. Man kann noch viele alte Häuser aus vergangenen Dynastien sehen und trifft hier auf das echte Leben.
Ganz toll ist die Wanderung, die wir am nächsten Tag unternehmen. Entlang des Flusses gelangen wir durch ganz ursprüngliche Bauerndörfer und können den Menschen bei der Arbeit zusehen. Wir sind überrascht, wie wenig Reisfelder wir eigentlich bis jetzt gesehen haben. Auch hier wird mehr Mais als Reis gepflanzt, und der Boden auch sonst ganz abwechslungsreich bewirtschaftet. Keine riesen Monowirtschaft, nein kleine Felder mit allerlei Früchten und Gemüsen bepflanzt.
In der Nähe von Xingping betreiben lokale kleine Restaurants, genau das Richtige, um uns auf unserer Wanderung zu stärken! Tatsächlich bekommen wir ein sehr feines Essen auf der Bambusterrasse über dem Li-River und sehen den Booten zu, die den Fluss hinuntertreiben.
Wir wohnen in der Jugendherberge in Xingping und haben dort ein Privatzimmer mit Balkon und Aussicht auf den Fluss und die Karstberge. Die Leute hier am Fluss sind wieder ganz anders als in anderen Teilen Chinas, irgendwie langsamer, aber natürlich auch weit weg von der nächsten Stadt und daher weniger technologisiert. Es dauert manchmal etwas lange, bis man etwas erklärt hat, und so ist es auch sehr kompliziert, unsere Rückfahrt nach Guilin zu organisieren. Schliesslich ist doch noch alles klar und ein Minibus fährt uns während rund 2.5 Stunden zurück in die Stadt, wo wir freundlicherweise unser Gepäck wieder beim Lakeside Inn einstellen dürfen.
Die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges Richtung Hong Kong vertreiben wir im Seven Star Park, einem der ältesten Parks Chinas mit hübschen Anlagen wie Wasserfällen und Springbrunnen, aber auch eine Höhle und ein Karstberg in Kamelform gehören dazu. Der Zoo ist dem Zerfall preisgegeben und die Tiere siechen regelrecht dahin, ein trauriger Anblick den wir bisher jetzt gar nicht so gewohnt waren.
Ich habe noch vergessen zu sagen, dass seit der letzten Nacht in Xingping unser Sohn Sascha Probleme machte. Er bekam starken Durchfall, was dem Kleinen schnell jegliche Kraft nahm, und weinte fast die halbe Nacht. Tagsüber in Guilin ging es wieder einigermassen, doch unser Zug fuhr erst um halb Zehn, und es war sehr schwierig, ihn solange zu beruhigen… Wir waren deshalb sehr froh, als wir im Zug sassen, und die Kinder zum Schlafen bringen konnten….

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Guilin-Webalbum

Kunming – Guilin

In Kunming hat es wieder einen modernen Bahnhof mit einem unterirdischen Taxistand. Wir haben den ganzen Tag Aufenthalt und weil wir keine Lust haben, mit den Kindern und Gepäck 10 Stunden in der Stadt herumzurennen, haben wir ein Tageszimmer gemietet. Dies liegt ganz in der Nähe des Bahnhofs in einem schönen 4-Sterne Hotel. Das beste daran ist aber das Frühstücksbüffet im 23. Stock, für mich das erste richtige Essen seit vielen Tagen, und auch der Rest der Familie schlägt zu, als hätten wir 14 Tage nichts mehr gegessen! Endlich einmal Brot, das nach Brot schmeckt, Confiture, ein gutes Kafi, Müesli und das beste: eine Jogurtmaschine, aus der man ein Jogurt nach dem anderen rauslassen kann!

Das chinesische Essen ist ja ganz gut und recht, doch für unsere Mägen halt schon sehr gewöhnungsbedürftig. Grösste Schwierigkeit ist natürlich herauszufinden, was wirklich schmeckt, und so essen wir meist sehr einseitig. Die meisten Gerichte sind scharf gewürzt, was unsere Kinder nicht essen können, so bleiben Ihnen Pommes Frites oder Reis. Manchmal gibt es auch sweet-and-sour, das ganz gut schmeckt und nicht scharf ist, oder sonst was gutes, doch im grossen und ganzen ist die Ernährung relativ schwierig und wir nehmen regelmässig Vitamintabletten. Ich habe auch herausgefunden, warum es mir immer so schwindlig ist und einfach lange nicht besser wurde. Durch das Erbrechen und Schwitzen und Durchfall hatte ich soviele Mineralstoffe verloren, die nun wieder aufgebaut werden müssen. Isotonic heisst das Zauberwort, oder auch eine Elektrolytlösung tut ihre Dienste und schon bald geht es wieder recht gut.

Das was wir von Kunming sehen, begeistert nicht wirklich. Es ist die erste Stadt, die uns wirklich schmutzig erscheint, und die Gerüche in den Strassen hinter der modernen Hauptstrasse kehren einem am morgen früh fast den Magen um. Es ist heiss und stickig, und nach einem kurzen Rundgang gehen wir schnell wieder ins Hotel um noch ein paar Arbeiten zu erledigen.
Am Abend fahren wir mit dem Zug nach Guilin. Dieses Mal haben wir wieder einen tollen Zug mit weichen Betten und einer freundlichen Zugbegleiterin. Ein junges Ehepaar hat sich in unsere Kinder verliebt und übernimmt den Hütedienst, wir können froh sein, wenn wir überhaupt noch Platz im Abteil finden! Doch den Kindern gefällts natürlich wenn sie soviel Aufmerksamkeit bekommen, und die ganze Zugfahrt verläuft sehr angenehm. Ständig kommt jemand mit Essen oder Trinken vorbei, sogar Spielzeug wird verkauft. Mehr zu Guilin im nächsten Bericht.

Dali

Mit viel Medikamente liess sich mein Zustand soweit stabilisieren, dass wir uns auf die 3stündige Busfahrt von Lijang nach Dali wagten. Ich hoffte vor allem, dass es mir auf etwas geringerer Höhe eher wieder besser gehen würde.

Unser Bus war sehr klein und flitzte über die Strassen, es wurde alles überholt was man überholen kann und ich musste wirklich erst mal leer schlucken und hoffen, dass die Fahrt gut ausgeht. Doch die Chinesen haben Routine und fahren die Strecke immer und immer wieder, zwar gibt es auch viele Unfälle, aber in den meisten Fällen geht die Fahrt glimpflich aus. Die Strecke führt durch herrliche Landschaft, durch Berge und fruchtbare Ebenen in denen die Bauern ihre Reisefelder bestellen.

Nach dem Mittag kommen wir in Dali an und steigen bei der Altstadt aus, in deren Nähe wir wohnen werden. Im Gästehaus werden wir schon erwartet und ich bin froh, die Reise soweit überstanden zu haben und nun noch Zeit zur Erholung zu haben.

Gegen Abend erkunden wir die Altstadt, deren Häuser alle mit wunderbaren Malereien verziert sind. Die Altstadt ist klein, die Fussgängerzone ein paar Hundert Meter lang, aber zusammen mit den drei Pagoden die als eines der Wahrzeichen Chinas gelten, macht Dali Lijiang ziemlich Konkurrenz. Wir selber können den Vergleich nicht nachvollziehen, hier herrscht ein ganz anderes Leben, ein anderes Volk, ein anderes Klima. Auf der Strasse können wir dem Zahnarzt bei der Arbeit zusehen, und gleich nebenan liegen Patienten mit Infusion in der 1.-Hilfe-Klinik. Ein paar Häuser weiter verkauft eine Frau neben Gemüse auch frischen Aal oder lebendige Kröten – hier treffen wir erstmals auf das China, von dem man immer hört.

Die Pagoden schauen wir nur von aussen an, da der Eintritt pro Person fast 20 CHF beträgt, eine Menge Geld das wirklich nicht nötig ist zum Ausgeben, denn die Bauten sind man von allen Seiten auch ausserhalb der Ummauerung.

Im Gästehaus treffen wir eine belgische Familie mit zwei Buben im Alter von 2.5 und 4.5 Jahren. Unsere Kinder sind happy und die vier toben den ganzen Tag rum. Die Belgier sind drei Monate unterwegs und waren mit den Kindern vier Wochen in Laos, abseits jeglicher medizinischer Versorgungsmöglichkeiten. Überhaupt dünkt mich, wir sehen immer mehr Leute mit Kindern reisen, ein positiver Aspekt, der mich sehr freut!

Am Abend verlassen wir Dali mit dem Zug nach Kunming. Der Bahnhof ist ein kleiner Albtraum, hier herrscht das Chaos pur. Endlich entdeckt uns die Bahnhofvorsteherin und geleitet uns zu einem separaten Eingang, natürlich nicht ganz uneigennütz, denn das ganze Personal will sich unsere Kinder ansehen. Dafür dürfen wir als erste zum Zug, der diesmal doppelstöckig ist. Ganz hübsch eingerichtet, aber doch eher unpraktisch, da aufgrund der Platzverhältnisse die Ablageflächen fehlen. Die Fahrt ist ebenfalls schrecklich, unser Abteil ist genau auf den Rädern und die Strecke ist extrem ruppig, so dass ich die halbe Nacht befürchte, aus dem oberen Bett zu fallen. Mein Magen und der ganze Zustand ist auch noch nicht in Ordnung, und die Rumpelfahrt nicht gerade das beste in dem Moment. So sind wir sehr froh, als wir am nächsten Morgen endlich in Kunming ankommen.

Dali-Webalbum

Lijang

Der Flughafen Lijang ist winzig klein, nur gut dass wir bei Nacht ankommen und nicht sehen, wie die Landebahn genau aussieht! Doch der Flug war sehr angenehm, wenn auch nur kurz (1 Std. 10 Min.). Wir werden von einem müden Naxi-Chauffeur erwartet, der uns zu unserer Unterkunft fährt. Sein Büssli ist so klein und schwach, dass es mit unserer Last kaum mehr den Berg hinaufkommt. Es ist ja kurz vor Mitternacht, unsere Kinder schlafen auf unserem Schoss, und der Fahrer muss sich ständig auf die Backe klatschen, um nicht auch einzuschlafen!! Eine Horror-Fahrt, und der Flughafen ist soweit ausserhalb, dass wir 45 Minuten Autofahren müssen und ich langsam nicht mehr sicher bin, ob wir überhaupt jemals ankommen werden. Doch gottseidank kann der Fahrer vor unsere Herberge fahren, was in der Altstadt von Lijang absolut nicht selbstverständlich ist, und wir werden dort schon sehnsüchtig erwartet und gleich in unser hübsches Zimmer im japanischen Stil gebracht.

Am nächsten Tag wollen wir zum Schwarzen Drachenteichpark, von wo man eine schöne Aussicht auf den über 5000 Meter hohen Jadedrachen-Schneeberg hat. Noch im Hostel lernen wir den Chinesen Jack kennen, der hier auch ein paar Tage Urlaub macht und aus Peking stammt. Er möchte uns begleiten, was für uns natürlich nur Vorteile hat. So kostet der Minibus die Hälfte wie wenn wir alleine fahren würden, und Jack kann alles übersetzen. Auch mit dem Wetter haben wir Glück, obwohl der Gipfel des Jadedrachen-Schneeberges seine Gletscher in den Wolken versteckt behält. Lijang besteht aus verschiedenen Stadtteilen, und für Touristen interessant sind die Altstadt von Lijiang selbst und die Altstadt von Shuhue.

Lijiang liegt in den Ausläufern des Himalaya auf einer Höhe von 2600 Metern über Meer. Hier lebt die Minderheit der Naxi, eines sehr schönen Volkes mit einem grossen Hang zur Musik. Die Naxi haben eine ganz besondere Architektur und jedes Haus hat einen hübschen Innenhof, und die Häuser in der Altstadt sind mit Tausenden roten Laternen verziert, die der Altstadt zusammen mit den mitten hindurchfliessenden Bächlein mit ihren Goldfischen ein äusserst romantisches Aussehen verleihen.

Wir besuchen mit Jack die Altstadt von Lijiang und kosten überall die lokalen Spezialitäten wie Maiskolben, die auf der Strasse und auf den Fahrrädern (!!) gekocht werden. Später schleppe ich den Kinderwagen den ganzen Berg hinauf, was sich später als grosser Fehler herausstellt. Auf der anderen Seite dieses hügeligen Stadtteils setzen wir uns in ein hübsches Restaurant und essen zu mittag. Kaum habe ich fertiggegessen, werde ich schlagartig todmüde und kalter Schweiss überkommt mich wie dazumal in Afrika, als ich kurz danach dann das Bewusstsein verlor. Dieses Mal war ich etwas besser vorbereitet und stopfte mir sofort Dextro-Energen Sofortenergie in den Mund und Andi holte einen kalten Waschlappen, so konnten wir das Schlimmste vermeiden. Doch der Kreislauf war trotzdem dahin, es war einfach zuviel Rennerei ohne Akklimatisation, zu wenig zu trinken, zu heiss, dann noch am Tag vorher nicht das schlaueste Essen, und so lag ich den Rest der Zeit flach in einer der schönsten Städte Chinas!! Nur gut, dass wir das meiste schon vorher gesehen hatten!! Andi musste sich von nun an selber um die Kinder kümmern, zwei Tage war ich unfähig und danach auch nur halbwegs auf dem Damm, und wir wussten auch gar nicht, ob wir die Weiterreise nach Dali überhaupt antreten können. Doch davon im nächsten Bericht mehr…

Lijiang-Webalbum

Dienstag, 26. Mai 2009

Bei den Pandabären

Chengdu – welche Wohltat, erreichen wir über einen top-modernen Flughafen und werden sogleich von einer englischsprechenden netten Frau von Sim’s Cozy Guesthouse erwartet, wo wir die nächsten Tage wohnen werden. Die Stadt ist riesig, über zehn Millionen Einwohner, und die Fahrt vom Flughafen zum Gästehaus dauert rund 50 Minuten. Auf dies hatten wir uns lange gefreut, Sim und Maki haben selbst zwei Kinder (im gleichen Alter wie unsere ) und wir bekommen ein Familienzimmer mit Veranda und grossem Bett, plus ein Babybett. Alles sehr praktisch.

Wir besuchen den bekannten Wensu-Tempel, der an sich ganz hübsch ist und wo man viele Leute beobachten und Teetrinken kann. Den Tempeln in Shanghai oder Xian steht er aber eher hintenan. Das Teehaus ist witzig, Teetrinken ist in Chengdu eine wichtig Tradition. Man bestellt die Tassen und kann dann den ganzen Tag sitzen bleiben, da einem immer wieder nachgefüllt wird. Uns schmeckt der Tee jedoch nicht besonders und bald fahren wir mit dem Taxi quer durch die Stadt zum Riverview-Park, einer Art botanischer Garten für Bambusbäume. Dies ist etwas vom Besten was wir bisher gesehen haben und wir können den Besuch sehr empfehlen! Hier spielt das Leben, in unzähligen Teehäusern entlang des Flusses treffen sich vor allem die älteren Menschen zum Mahjongg spielen und wir glauben, dass man auf diese Art ein gutes Leben führen kann. Es ist angenehm im Schatten der bis zu 20 Meter hohen uralten Bambusbäume zu sitzen und den Tag zu geniessen. Sehr zur Freude von Anja hat es einen Spielplatz auf chinesische Art und sie will gar nie mehr von dort wegkommen.

Doch zum Glück bleibt ja noch der Besuch bei den Pandabären – das Highlight unserer Reise. Zusammen mit einer belgischen Familie und deren drei Kinder fahren wir zur Pandabären-Aufzuchtsstation. Zuerst können wir die „Teenager“ besuchen, diese sind rund zwei Jahre alt und wohl die aktivsten von allen. Man muss frühmorgens kommen, wenn sie noch nicht auf den Bäumen rumhängen und schlafen, sondern sich mit Bambus den Magen füllen. Die Bärchen sind ja so süss und unser Speicherchip der Kamera gerät ganz schön an seine Grenzen, denn jede Bewegung will natürlich festgehalten werden! Dann sind noch die Babys, die würde man am liebsten mitnehmen. Leider müssen sie heute drinbleiben, weil das Wetter nicht so toll ist und sie zum Schutz vor der Feuchtigkeit nicht ins Freie dürfen. Am Schluss bleiben noch die grossen Panda’s, die sich aber relativ weit weg aufhalten und wir deshalb nicht so gut beobachten können wie die Teenager, welche einfach allen die Show stehlen.

Am letzten Tag machen wir einen Spaziergang durch die berühmte Fussgängerzone, doch kaum haben wir sie betreten, werden wir gleich von der gesamten Menschenmenge regelrecht überfallen und müssen schauen, dass wir unsere Kinder aus dem Gewühl überhaupt wieder rausbekommen! Manchmal hat es mit der Begeisterung einfach auch Grenzen und wir wären lieber durchsichtig. Meistens geht es ganz gut, doch kaum hat ein Mensch unsere Kinder entdeckt und nimmt die Kamera hervor, kommen die Chinesen in Scharen.

Doch auch das überstehen wir und machen uns bereit für den Flug nach Lijiang, der aufgrund einer Flugplanänderung erst kurz vor 22 Uhr abends fliegt. Unsere Angst ist vergebens und am Flughafen werden wir normal eingecheckt und gehen durch die Sicherheitskontrolle, ohne das ein Mensch das Antibiotika oder sonstwas beanstandet! Es ist einfach eine andere Welt und das ist gut so. Unser Flieger hebt ab und wir verabschieden uns von dem Lichtermeer des nächtlichen Chengdu.

Chengdu-Webalbum


Pandabären

Montag, 25. Mai 2009

Ürümqi

Die Fahrt im Minibus mit Alex nach Ürümqi ist spektakulär. Nie hätte ich solch eine tolle bergige Landschaft erwartet. Die Strasse ist in sehr gutem Zustand, und nur der heftige Wind hindert uns am raschen vorwärtskommen. Für die 180 Kilometer brauchen wir etwas über 3 Stunden. Ürümqi liegt in einer fruchtbaren Ebene, die Wüste haben wir nun hinter uns gelassen, und kaum ist sie fertig, ziehen dunkle Wolken auf und starker Regen setzt ein.

In Ürümqi wohnen wir im besten Hotel der Stadt, da es an sauberen günstigen Unterkünften mangelt. Unser Zimmer im Hotel Mirage ist im 19. Stock und hat alles, was das Herz begehrt. Die Kinder sind zufrieden, wieder etwas Platz zum Spielen zu haben. Am späten Nachmittag machen wir uns auf, um das Völkerkundemuseum zu besuchen, das uns Alex empfohlen hat. Doch als wir dort ankommen, lässt man uns nicht rein. Ein Telefon zu Alex und 5 Min. später steht der Manager am Tor und macht mit uns eine Spezialtour – aufgrund eines Museumstages ist heute wirklich geschlossen und nur wir und eine andere Schweizer Gruppe können die berühmten Mumien sehen, wovon die sogenannte „Loulan Beauty“, die schöne Frau, fast 4000 Jahre alt ist und man noch jedes Detail an ihr erkennen kann.

Beim Besuch auf dem Markt ist der Hauch des Orient deutlich zu spüren. Verschleierte Frauen, verschnörkelte Geschäfte und der Duft nach Gewürzen zieht durch die Luft. Gleichzeitig ist das ganze auch ein wenig unheimlich, da auf der Strasse viele unsympatische Gestalten lungern deren Blick sich von kaum mehr löst. Wir fallen unter diesen Menschen auf wie ein Elefant in Luzern, und es kommt gar nicht darauf an, was wir anziehen oder umhängen (Kamera), man sieht uns auf 1000 Meter Gegenwind mit unseren blonden Kindern. Die Stadt selber ist die Hauptstadt der autonomen Provinz Xingjang, und steht mit Peking nicht besonders gut, daher präsentiert sie sich wie von Gott vergessen. Nirgendwo sonst haben wir so viele zerfallene Häuser gesehen, soviel Schutt und Zerfall, und es wird wohl so sein, dass China das Geld für seine vollintegrierten Provinzen braucht um sie auf Hochglanz zu bringend, während Ürümqi leer ausgeht.

Das nächste Problem präsentiert sich am Flughafen. Alex kommt extra mit, damit sicher alles klappt wegen der Sprache. Doch schon beim Einchecken kapieren die Leute nicht, wie sie die Tickets für 2 Kinder und 2 Erwachsene in den Computer eingeben müssen und verwechseln alles. Es dauert über eine Stunde, bis sie das irgendwie richtigstellen können. Dann kommt die Sicherheitskontrolle. Wir sind von den strengen Richtlinien der Schweiz geprobt und packen nur wenig nötige medizinische Flüssigkeiten in das Handgepäck. Doch die lieben Leute von Ürümqi lassen das nicht durch, also muss es zurück zum Check-Inn und mit dem Gepäck aufgegeben werden. Das ginge ja noch, aber als sie mir das Antibiotika für die Kinder, das sich in Pulverform in verschweissten Dosen befindet, wegnehmen wollen, reisst mir die Geduld und ich werde das erste Mal laut in China. Es braucht endlose Diskussionen, was für ein Pulver das sei und wie man das einnehme, und ich müsse davon probieren, was ich natürlich nicht mache. Schlussendlich geben sie auf und die Antibiotika dürfen mit – für uns wäre es unvorstellbar, wenn dies verlorenginge. Es ging dann noch soweit, dass sie die leeren Schoppenfläschen beanstandeten, und als sie Andi das Feuerzeug wegnahmen, überlegte er ob er jemals wieder in China ein Flugzeug besteigen wolle. Wir brauchten also alles in allem etwa drei Stunden, bis wir beim Gate für unseren INLAND-Flug standen!!! Erst im Flieger trafen wir wieder normale Menschen und der Steward hiess uns freundlich willkommen und nahm den Kinderwagen ohne weitere Diskussionen in Empfang – wie sind wir froh, endlich von hier wegzukommen!!!

Urumqi-Webalbum

Freitag, 22. Mai 2009

Die Traubenstadt

Nach einer kurzen Nacht werden wir von der Zugbegleiterin geweckt und kommen wenig später schon wieder an einem Bahnhof im Nirgendwo an. 60 Kilometer sind es von hier bis nach Turpan, unserem nächsten Reiseziel. Die Bahnlinie konnten Sie nicht bis dorhin bauen, weil die Höhendifferenz zu gross gewesen wäre, so legen wir die Strecke mit unserem neuen Guide Alex und seinem Fahrer zurück.

Turpan ist einer der heissesten Orte der Welt, und das, weil es in der sogenannten Turpan-Senke liegt, nach dem Toten Meer der zweittiefste Ort auf der Welt. Im Sommer wird der Boden 80 Grad heiss und die Luft 47 Grad, heute wir Glück und es sind nur hätten 38 Grad, witzelt Alex. Tatsächlich ist der Temperaturunterschied zwischen Bahnstation und Hotel gewaltig, in Turpan hat man das Gefühl, von einem heissen Föhn angeblasen zu werden.

Leider ist das Hotel Oasis, das wir gebucht hatten, geschlossen worden und man hat uns ins Hotel Tulufan Binguan umgebucht, das verschiedene Bewertungen hat. Meine nenne ich lieber nicht so direkt, auf jeden Fall hätte ich so ein Zimmer keinem zugemutet, aber wir sind inzwischen halt einfach etwas verwöhnt und hatten noch nie ein schmutziges Hotelzimmer gehabt auf dieser Reise. Für die Gesundheit der Kinder ist es recht wichtig, dass wir versuchen alles so sauber wie möglich zu haben, und diesem Kriterium entspricht das Hotel – obwohl nun eines der besten der Stadt – leider nicht. Die Lobby und gewisse Gebäude sind zwar wunderbar mit orientalischen Schnörkeleien verziert und eine hübsche Dame in typisch uygurischer Bekleidung fungiert als Türsteherin, aber das entschädigt alles meine Enttäuschung über das geschlossene Oasis nicht.

Nach einer kurzen Rast machen wir uns mit Alex auf den Weg, um das ausgeklügelte Bewässerunssystem der Stadt kennenzulernen. 5000 Kilometer lang ist das ganze System, das von Hand gegraben wurde und als der grössten Wunderwerke der Menschheit gilt. Man muss sich vorstellen, dass die kochendheisse Turpan Senke links und rechts von Schneebergen begrenzt wird, welche über 3000 Meter hoch sind. Auf einer Strecke von nur 60 Kilometern fällt die Landschaft dann auf minus 154 meter ab. Um das Schneewasser zu sammeln, schufen die Menschen bereits vor 2000 Jahren unterirdische Kanäle, mit denen Sie ihre Gärten bewässern. Im Winter konnten sie nicht graben, weil es zu kalt ist, so mussten sie im Sommer im Gletscherwasser stehen und sich von Hand durch den teilweise harten Stein kämpfen, eine Wahnsinnsleistung! Durch dieses Karez-System wurde die Stadt fruchtbar wie kaum ein anderer Ort der Welt. Durchschnittlich 15 Stunden Sonnenschein und Wärme zusammen mit dem guten Gletscherwasser – das dann in oberirdischen Becken von der Sonne erst noch aufgewärmt und erst dann in die Gärten geleitet wird – lassen Millionen von Trauben gedeihen. Ein grosser Teil davon wird getrocknet als Rosinen in alle Welt exportiert. Obwohl Turpan eine moslemische Stadt ist, wird aber auch Wein erzeugt – der Islam sei erst nach dem Wein gekommen, sagt uns Alex.

In der Stadt gibt es viele Fussgängerzonen, die mit Trauben überdacht sind und das Flanieren zum Erlebnis werden lassen. Generell ist die Stadt sehr grün, und wenn es nicht Trauben sind, dann säumen Maulbeerbäume oder Pappelalleen die Wegen und Strassen. Zum ersten Mal im Leben können wir Maulbeeren probieren und lernen, dass es davon ganz verschiedene Sorten gibt: weisse, rosarote und dunkelrote. Letzere ähneln in Aussehen und Geschmack sehr unseren Brombeeren und sind für unseren Sascha nicht gerade das wahre, denn nach kurzer Zeit sieht er selbst wie ein Maulbeere aus und ist von Kopf bis Fuss dunkelblau! Die weissen hingegen sind richtig praktisch, fein und süss und machen keine Sauerei. Unser Chauffeur pflückt für uns die Delikatesse die wir mit Genuss verzehren.

Die Regierung in Turpan unternahm im Altertum grosse Anstrengungen, die Stadt zu Begrünen. So durften die Leute keine Bäume fällen, sondern sollten neue pflanzen. Wer trotzdem einen Baum fällen wollte, musste für einen kleinen mit einem Huhn bezahlen und für einen grossen mit einem Schaf. Dies führte dazu, dass die Leute wahnsinnig viele Pflanzen ansetzten und ihre Lehmhäuser darunter fast verschwinden.

Wieder zurück in unserem Hotel, finden wir doch noch einen positiven Punkt. Das vom Lonelyplanet empfohlene John’s Information Café liegt direkt hinter unserem Hotel, ebenfalls unter einer Traubenpergola. Hier kann man günstig essen Travellers treffen sich um Informationen auszutauschen.

Erst um sechs Uhr abends trauen wir uns wegen der Hitze wieder aus dem Zimmer, doch es haut uns immer noch fast um. Gegen 40 Grad herrschen jetzt, die wir uns nicht gewohnt sind. Alex und der Fahrer bringen uns zum Emin-Minarett, das komplett aus Lehmziegeln gebaut wurde. Ein Prachtsbau mitten in der Wüste, doch von innen komplett leer, keine Schnörkelein oder Bilder, ganz nach streng islamischen Regeln. Vom Dach der Moschee geniesst man eine wunderbare Aussicht und kann es kaum glauben: vor uns liegt die grüne Oase, dahinter der Sand der Wüste und gleich anschliessend schneebedeckte Berge!! Grün – braun – weiss, eine seltene Kombination!

Am Abend spazieren wir vom Hotel zum People’s Square, dem Platz des Volkes. Die ganze Promenade hat einen Marmorboden und –säulen und ist mit Trauben überdacht, drei Kilometer lang kann man so flanieren und links und rechts davon Tee trinken. Es heisst, dass die Menschen in Turpan eine der höchsten Lebenserwartungen der Welt hätten, weil sie sich absolut nicht stressen lassen. Kein Wunder, wegen der Hitze können sie sich tagsüber kaum anstrengen, und am Abend gehen sie gemütlich spazieren oder trinken Tee, oder schauen sich das Wasserspektakel auf dem Grossen Platz an, das dem in Las Vegas in absolut nichts nachsteht! Ich weiss nicht genau, wie lang der Brunnen ist, aber 30 oder 50 Meter sind es sicherlich, und die Fontänen schiessen bis zum Dach des naheliegenden Hochhauses hinauf, begleitet von Musik und Feuer, eine einmalige Show! Dies wie gesagt mitten in der heissen Wüste, doch vom Wasserdampf entsteht ein angenehmes Klima!

Wir spazieren gemütlich wieder zurück und machen unsere Sachen für die morgige Abfahrt nach Ürümqi parat, unserer letzten Station auf der legendären Seidenstrasse.

Turpan-Webalbum

Donnerstag, 21. Mai 2009

Die Stadt in der Wüste

HINWEIS: Wir bitten um Entschuldigung für die lange Wartezeit – doch leider hat kurz nach unserer Ankunft China die gesamten Blogger-Seiten von Google gesperrt und wir mussten uns um eine Alternative umsehen. Dank unserem Freund Chregu Aeschlimann werdet Ihr von nun an hoffentlich regelmässiger mit unseren Berichten beliefert – sollten nicht weiter technische Schwierigkeiten auftreten! Unseren Blog können wir selber seit Turfan nicht mehr sehen!

Bei strömendem Regen gehen wir dieses Mal auf eigene Faust zum Bahnhof. Auch hier ist es absolut kein Problem zum Zug zu finden, man wird vom Bahnpersonal automatisch ans richtige Ort geleitet. Am Vormittag verlassen wir im gemütlichen Zug K591 Xian, um zu unserer nächsten Station an der Seidenstrasse, der Oasenstadt Dunhuang zu fahren. In diesem Zug gibt es keinen Fernseher mehr, aber den brauchen wir sowieso nicht, weil es aus dem Zugfenster genügend zu sehen gibt.

Der Zug fährt durch recht spektakuläre Berge mit einer Strasse, auf der sich Lastwagen hinaufkämpfen, ähnlich wie auf dem Karakorum Highway, wenn natürlich auch nicht in sehr grosse Höhen. Die Strasse und der Zug verläuft entlang des Gelben Flusses, dem zweitgrössten Fluss des Landes.

Später passieren wir Landwirtschaftszonen, deren Boden durch die Erosion canyonartig zerfurcht ist. Auf jedem noch so kleinen verbliebenen Flecken Erde werden sorgfältig Pflänzchen angepflanzt, von denen jedes einzelne sorgsam durch die Bauern von Hand gepflegt wird.

Wir verbringen die Nacht im angenehm dahin schaukelnden Zug, und als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster schauen, befinden wir uns bereits mitten in der Wüste Gobi. Die steinige Ebene wird in der Ferne von zackigen Bergen begrenzt, hinter denen die Sonne aufgeht. Nach rund 24stündiger Zugfahrt erreichen wir schliesslich Dunhuang, die Stadt in der Wüste. Der Bahnhof wurde erst neu gebaut und erinnert mich an die alten Ägypter, da sein Portal wie das eines Grabmals eines ägyptischen Königs aussieht. Ebenso futuristisch sind dann die riesigen 4spurigen Strassen, die uns hier ziemlich überdimensioniert erscheinen. Unser Transferfahrer erwartet uns schon und bringt uns die rund 10 Kilometer in die Stadt. Wenn man mit dem Auto in die Stadt fährt, wird man an einem grossen Tor registriert, ich nehme an, so können sie die Anzahl der Autos kontrollieren und im Bedarfsfall regulieren.

Es dauert gar nicht lange, bis wir im Hotel unserer Träume ankommen – diesmal ist es ein richtiger Palast mitten in der Wüste, und von unserem Fenster sehen wir die riesige Dünenlandschaft mit Dünen, die bis 300 m in die Höhe aufragen. Der Service ist genial, und unser Zimmer ebenso. Nach einer Ruhepause machen wir uns am Abend auf den Weg, um den Mondsee der in den Dünen liegt, zu besuchen.

Ich mache mir ein bisschen Sorgen, wie unsere Tochter Anja den Weg von rund 3 Kilometer und zurück bewältigen soll. Mit dem Kamel wird es wieder schwierig wegen dem kleinen Sascha, und nur einer mit Anja auf dem Kamel ist auch blöd, aber wir sind ja in China und ich geb die Hoffnung nicht auf, dass sich irgendeine Lösung finden wird. Die Dünen befinden sich in einem Nationalpark, zu dem man 60 RMB Einritt bezahlen muss. Kaum haben wir das Eingangstor durchschritten, präsentieren sich uns sämtliche Transportmittel, die man sich nur vorstellen kann: hunderte von Kamelen, eine stattliche Anzahl Jeeps, ein grosses Flugzeug (!!!), Ultralight-Flugzeuge, und genau das richtige für uns: Caddy’s ähnlich denen auf dem Golfplatz aber mit mehr Sitzen, um die Strecke bis zum Mondsee zurückzulegen. In Google-Earth hatte es ausgesehen wie ein Trampelpfad, doch in Wirklichkeit handelt es sich um eine Piste die mit Steinen präpariert wurde und auf der regelmässig ein Laster Wasser verteilt um sie in Form zu behalten! Aber keine Angst, so schlimm wie man immer meint ist es eigentlich gar nicht – auch in der Sahara fährt man mit den Jeeps über die Dünen oder macht weiss gott was, hier ist es nicht viel anders und es ist ein relativ kleines Gebiet, das für die Touristen so erschlossen wurde. Nimmt man eines der vielen Kamele, dann geht es weit hinauf auf die 300 Meter Dünen, in langen Karawanen tauchen die Reiter ein in das Sandmeer der Wüste Gobi und erscheinen in der Ferne wie ein Bild aus vergangener Zeit. Auf der anderen Dünenseite dann ist alles menschenleer, und schnell würde man in dieser riesigen Landschaft verlorengehen.

Das passiert uns nicht, denn auch hier stürmen alle Menschen auf unsere Kinder los. Die hingegen freuen sich natürlich über diesen unendlichen Sandkasten, den sie aber leider nicht allzulange geniessen können, denn das Wetter wird immer schlimmer und ein heftiger Sandsturm vermischt mit ein paar Regentropfen kommt auf. Nur kurz ist die Zeit am Mondsee, und schon bald machen wir uns wieder auf den Rückweg um nicht total versandet zu werden. Ganz verabschieden wollen wir uns aber so schnell nicht, und ich habe die Idee, Anja mal auf ein Kamel zu setzen. Die sind alle an einem Ort versammelt und wir mischen uns mitten unter die Hirten. Diese wiederum können sich ab den Kindern kaum mehr erholen, und statt uns irgendwas verkaufen zu wollen, wollen Sie nur uns anschauen, dabei wollten wir doch sie und die Kamele sehen! Ein gegenseitiges Bestaunen schlimmer als im Zoo!!! Aber wirklich sehr lustig mit den Einheimischen, schön wäre natürlich noch wenn man die Sprache sprechen könnte.

Als das Wetter immer garstiger wird, machen wir uns endgültig auf den Heimweg in unser wunderbares Hotel. Hier bekommen wir ein Nachtessen verziert mit geschnitzten Vögeln aus Gemüse und dekoriert mit Blumen wie im Bilderbuch. Kaum sind wir fertig mit Essen, scheint schon wieder die Sonne und vom Sandsturm ist nichts mehr zu sehen!!!

Am nächsten Tag ist Shopping angesagt und der Taxifahrer bringt uns direkt zu einem Babygeschäft, wo wir Windeln und alles weitere was die Kleinen so benötigen kaufen können. Die Stadt ist hübsch und recht modern, und es gibt eine grosse Fussgängerzone mit vielen Marktständen, an denen man Datteln, Nüsse und Rosinen kaufen kann. Abends wird hier grilliert und flaniert, doch wir machen uns mit dem Taxi wieder auf den Weg zurück zum Hotel. Diesmal erwischen wir leider eine Taxifahrerin, die es nicht schafft, die 3 Kilometer schnurgerade Strasse zu unserem Hotel zu fahren, sondern sich in einer Stadt die nur aus vier Hauptstrassen besteht, so verfährt, dass sie am Schluss selbst nicht mehr weiss wo sie ist!! Erst als wir ihr mit Handzeichen helfen, finden wir nach einer halben Stunde doch noch endlich wieder unser Hotel und sind alle erleichtert!

Bevor wir Dunhuang wieder verlassen, besuchen wir noch die berühmten Mogao-Grotten, 25 Kilometer ausserhalb der Stadt. Diesmal nehmen wir den Chauffeur vom Hotel mit, um sicher auch wieder zurückzukommen und nicht wieder dasselbe Problem wie in Xian zu haben. Schon die Fahrt alleine lohnt den Ausflug. Die Strasse führt durch die Steinwüste an den Rand eines Gebirgszuges, immer wieder gibt es sandige Stellen und der Ort wo die Mogao-Grotten liegen erscheint wie eine grüne Oase in der Ferne inmitten der Wüste. Tatsächlich sind die Grotten von einem herrlichen Park umgeben, in dem es von Blumen nur so duftet. Die Berge im Hintergrund sind stark zerklüftet und zu ihnen führen verschiedene Stupas.

Interessanterweise sind wir auch bei den Mogao-Grotten fast alleine. Normalerweise strömen tausende Touristen hierher, doch wir sind bereits frühmorgens unterwegs und erst noch in der Nebensaison, so geniessen wir die Ruhe und den Frieden in dieser herrlichen Anlage. Mönche haben einen Tempel in den Fels gehauen, in dem ein 70 m hoher Budda steht. Überall gibt es uralte Wandmalereien und Figuren, die die Kulturrevolution unbeschadet überstanden haben. Die Mönche haben auch in den Felsen gelebt und so sieht man unzählige Türchen die in den Berg hineingehen. Der Besuch der Grotten ist nur mit Führung möglich, und die Guides öffnen und schliessen die Tore jeweils mit dem Schlüssel, damit dem Kulturschatz auch nichts passiert.

Ja, und dann ist sie auch schon bald vorbei, die Zeit in der Stadt in der Wüste. Etwas wehmütig steigen wir abends um sechs in unser Auto, das uns zur 130 Kilometer entfernten Bahnstation Liuyan bringt. Züge von und nach Dunhuang gibt es noch nicht so häufig, sie verkehren meist in der Hochsaison um die Touristen zu den Mogao-Grotten zu bringen, die Hauptstrecke aber ist weit von Dunhuang entfernt und die Fahrt dorthin gleicht einer Schifffahrt im Sturm, so holperig ist die Strasse. Dafür ist die Landschaft wiederum toll, und vor Liuyan durchqueren wir eine Lavalandschaft, die zum Verweilen einlädt.

Liuyan selbst ist wohl einer der trostlosesten Flecken auf der Erde, nur Industrie und die vom schlimmsten, absolut chaotisch und unheimlich erscheint uns der Ort bei untergehender Sonne. Mühsam auch die Kontrolle am Bahnhof, und es dauert eine Weile, bis die Leute freundlicher werden und sich wieder mal unserer Kinder erfreuen. Als dies passiert, kümmert sich dann aber sofort die Chefin des Bahnhofes um uns, und versucht noch Softsleeper-Tickets zu ergattern, die bisher unmöglich zu bekommen waren. Doch auch hier ändert sich daran nichts, und wir müssen im Hardsleeper fahren, in China ist dies die 2. Klasse, in Russland wäre es gleich der 3. Klasse. Es handelt sich dabei um offene 6-Bett-Abteile, in der wirklich alles fährt was unterwegs ist. Aber nach einigem Hin-und her haben wir uns auch hier eingerichtet und als um elf Uhr lichterlöschen ist, versuchen wir auch ein bisschen Schlaf zu erhaschen, bevor wir frühmorgens in einer weiteren Oasenstadt ankommen werden.

Dunhuang-Webalbum

Donnerstag, 14. Mai 2009

Shanghai – Xian

Die Aufregung ist gross, als wir vom Hotel auschecken und auf den Transferfahrer warten, der uns sowohl die Zugtickets bringen wie uns zum Bahnhof fahren soll. Noch viel grösser wird sie, als der Fahrer bereits 15 Minuten Verspätung hat, dann 30 Minuten, dann wird mir klar, dass keiner mehr kommen wird und wir bereits zu Beginn der Reise gestrandet sind, was ich mir nicht vorstellen kann, weil ich in der ganzen Zeit noch nie erlebt habe, dass ein Transfer nicht geklappt hätte. Nach vielen Telefonen finden wir endlich die Nummer unseres deutschsprachigen Führers heraus und schnell ist das Missverständnis aufgeklärt – es hatte irgendein Verständigungsproblem gegeben und er meinte, er käme um 18:45 Uhr, wir warteten aber schon um 17:45 Uhr!!! Gottseidank, bald stiegen wir in den Minibus, hielten die Zugtickets nach Xian in den Händen und fuhren zum Bahnhof.
Wieder ein Beispiel genial durchdachten Transportwesens: mit dem Minibus fährt man direkt unter den Bahnhof, wo sich eine riesige Park & Ride Halle befindet und man unbehelligt aussteigen kann. Mit der Rolltreppe geht es dann hinauf und nur mit Ticket und nach Gepäckdurchleuchtung kommt man schlussendlich in die Wartehalle, wobei auch diese nach gebuchter Zugklasse aufgeteilt sind. Es gibt sogenannte Hardsleeper, das ist die 2. Klasse mit 6 Betten in einem Abteil, wobei die Abteile keine Türen haben, und den Softsleeper, das ist die 1. Klasse, die über 4 breitere Betten in einem Abteil mit Türen verfügt. Es ist alles bestens angeschrieben, grosse digitale Leuchttafeln sagen sowohl in chinesisch wie in Englisch, wann und wo der „Check-Inn“ für den Zug beginnt. Und sollte das mit den Tafeln noch nicht helfen, stehen genügend Leute bereit, die auf jeden Fall dazu schauen, dass man am richtigen Ort einsteigt, also überhaupt kein Problem sich hier zurechtzufinden.



Abends um 20:05 verlassen wir mit dem Zug Nr. Z92 Shanghai um nach Xian zu fahren. Das Einsteigen in den Zug ist schon genial: über eine Rampe können wir sowohl Koffer wie Kinderwagen bequem hineinschieben und der Gang ist (im Gegensatz zu denen in Europa!!!) genügend breit, so dass wir bis ins Abteil alles fahren können. Das Abteil ist ebenfalls sehr geräumig und sogar mit je einem TV pro Bett ausgestattet, auf dem verschiedene Kanäle verfügbar sind. Klimaanlage und heisses Wasser sind weitere Bequemlichkeiten, die wir gerne in Anspruch nehmen. Sanft rollt der Zug dahin, und bald schon fallen wir alle in doch recht guten Schlaf.


Am nächsten Morgen kommen wir in Xian an und werden gleich von Scharen von sich anpreisenden Guides, Taxifahrern, Stadtplanverkäufern und sonst noch allem möglichen belagert. Was mir sofort ins Auge sticht, sind die vielen Essensstände und Restaurants, die sich eines an den anderen reihen, ganz anders als in Shanghai, wo wir in unserem Viertel das wirklich anmächelige Essen eher suchen mussten. Hier könnte man da eine Teigtasche probieren, dort ein paar Nudeln, oder die kleinen Kebabspiesse, oder aber auch Pommes Frites oder Hamburger von Kentucky Fried Chicken oder Mc Donalds. Zielstrebig laufen wir gemäss Plan der Jugendherberge, doch nach etwa 15 Minuten erscheinen uns die 500 m doch etwas weit und wir bleiben relativ ratlos an einer Kreuzung stehen. Es geht nicht lange, und da kommt zuerst einer, später noch etwa 15 andere Chinesen um uns zu helfen. Jeder wirft einen Blick auf die Karte und lautstark diskutieren sie, was jetzt wohl das beste wäre. Einer telefoniert mit dem Handy herum, und irgendwann sind sich alle einige, dass wir noch weiter geradeaus und dann rechts abbiegen müssen. Und das – wohlverstanden – alles auf chinesisch!! Tatsächlich erreichen wir nach weiteren ca. 10 Minuten die sehnsüchtig erwartete Jugendherberge und bekommen gleich das beste Zimmer – besser gesagt ein ganzes Häuschen eines sogenannten Courtyard, das sind alte einstöckige Steingebäude mit blumenbewachsenem Innenhof in dem es Goldfische in grossen Töpfen hat, sehr zur Freude der Kinder. Eben, wir haben so ein kleines Häuschen, in der Mitte ist das Badezimmer und links und rechts ein Schlafzimmer, auch das gefällt den Kindern sehr! Was weniger gut ist, ist der an sich liebe Hund des Hauses, der wohl noch nie Kinder gesehen hat, und gleich auf Anja losgeht und sie heftig packt. Zum Glück ist sie ganz dick angezogen und er erwischt nur die Jacke, denn Tollwut ist eines der grössten Probleme in China und etwas vom schlimmsten was uns passieren könnte.



Wir haben nur gut einen halben Tag Aufenthalt in Xian, so denke ich mir, machen wir mit dem Taxi ein paar Ausflüge. Als erstes fahren wir zur grossen Wildganspagode, einem eindrücklichen Turm, der ursprünglich als Tempel gebaut wurde. Just als wir aus dem Taxi aussteigen, beginnt es wieder in Strömen zu regnen, wie es zuvor schon auf der Zugfahrt gemacht hatte. Zum Glück hört es aber bald wieder auf und wir können durch die grosszügige und schöne Anlage schlendern.
Der Clou kommt danach, als wir versuchen, mit dem Taxi von hier wegzufahren. Die Wildganspagode liegt doch eine schönes Stück ausserhalb des Stadtzentrums, und gemäss Plan von der Jugi fragen wir zig-Taxifahrer, ob sie uns zur Westmoschee bringen könnten. Jeder verneint vehement und ich denke, dass sie irgendein Problem mit dieser Moschee haben. Dann fragen wir für eine Fahrt ins Zentrum zum Trommelturm, doch die Antwort bleibt ebenfalls negativ. Dumm stehen wir da, schon kommen zwei Chinesen und eine Chinesin und erkennen sofort unser Problem. Keine Sorge, ist ihre Devise, wir helfen Euch schon! Sie winken zig-Taxis herbei, keiner nimmt uns mit, jeder zeigt irgendwo anders hin. Wir laufen herum, versuchen es woanders, keine Chance, nichts zu machen. Die Taxis die leer bei der Pagode stehen, sind schon vorbestellt, andere haben anscheinend Feierabend oder einfach keine Lust uns mitzunehmen, ich weiss es bis jetzt nicht. Ein Chinese stosst Anja im Kinderwagen ganz stolz herum, die anderen schauen und studieren, was sie noch versuchen könnten. Schlussendlich gelangen wir an eine Bushaltestelle und sie fragen uns, was wir davon halten, mit dem Bus zu fahren? Uns ist das egal, Hauptsache wir kommen irgendwie wieder zurück in die Stadt. OK, statt sich zu verabschieden und uns dem Schicksal zu überlassen, fahren die drei kurzerhand mit und zahlen uns noch die Fahrt, was wir vehement versuchen zu verhindern, bzw. zurückzuzahlen. Einer trägt sogar den Kinderwagen, und so kommen wir in den Genuss einer kostenlosen Busfahrt die erst noch recht lustig ist, weil die Leute natürlich alle unsere Kinder bewundern. Tatsächlich fährt der Bus bis zum Trommelturm und als wir direkt davor stehen, verabschieden sich unsere netten Helfer, nachdem sie sich versichert hatten, dass wir es von jetzt an wirklich alleine schaffen werden, uns zurechtzufinden! Und stellt Euch mal vor, was jetzt kommt: ein Wegweiser „Moslemviertel, Grosse Moschee“!!! Genau das hatten wir eigentlich gesucht, aber auf dem Plan der Jugi sahen wir nur „Westmoschee“, was natürlich komplett falsch gewesen wäre! Wie gut, dass uns kein Taxi dorthin mitgenommen hat!!! So ist die Moral von der Geschicht, alles was passiert hat seinen Sinn und nimm‘s wie’s kommt, es wird schon richtig sein!!!
Das muslimische Viertel versetzt mich natürlich sofort in mein Element, und im grossen Bazar, der die Moschee umgibt, fühle ich mich sofort wohl und zurückversetzt in die Zeit, als wir regelmässig Nordafrika und den Orient bereisten. Die Grosse Moschee ist wirklich wunderbar zum Besichtigen, alles alte Tore und Schnitzereien, eine Mischung aus Orient und Buddhismus, aus Tempel und Moschee. Wir schlendern durch die Gassen und überall wird gekocht und frisches Fladenbrot gebacken, man kann getrocknete Früchte kaufen und jede Menge Souvenirs. Vor lauter Schlendern weiss ich am Schluss natürlich wieder mal nicht mehr, wo wir sind und es gibt immer noch kein Taxi das uns mitnimmt. Langsam doch ziemlich erschöpft finden wir endlich eine der vier Hauptstrassen Xian’s und schlussendlich halten wir ein Taxi an, das uns erst auch nicht mitnimmt, wir ihm aber schlussendlich keine Wahl lassen und am Schluss dafür noch ein schönes Trinkgeld geben. Wir sind froh, als wir unsere Jugi wieder erreichen und im gemütlichen Restaurant zig verschiedene Mahlzeiten bestellen weil‘s so fein ist und von allem probieren können.

Hier geht's zum Webalbum:




Webalbum_Shanghai-Xian

Montag, 11. Mai 2009

Gut gelandet in Shangai!

Bereits am 3. Tag könnten wir einen Roman schreiben, doch ich werde versuchen, mich kurz zu halten. Der Flug war gut, aber sehr lang mit den Kindern 11.5 Std. für uns gänzlich ohne Schlaf, und kurz vor der Landung erhielten wir die Hiobsbotschaft, dass es noch gar nicht sicher sei, dass wir überhaupt aussteigen können, weil der Flieger wegen der Schweinegrippe auf ein Quarantäne-Gate umgeleitet wird und zuerst die Gesundheitskontrolle komme. Die Stewards befürchteten, dass einer der Passagiere Fieber haben könnte, was dann alle am Aussteigen hindern würde, bzw. die Einreise nach China mind. für 3 Tage nicht möglich wäre.
Es kam uns vor wie im Science-Fiction Film im Jahr 3000, nachdem die Welt von einem Virus beinahe ausgerottet wäre. Im weissen Vollkörper-Anzug, mit Atemschutzmaske und Schutzbrille, erschienen die 6 Kontrolleure und ich dachte wirklich, wir sind im falschen Film. Doch zum Glück sind die Chinesen wirklich sehr lustige Leute, und anstatt wie ich fast in Panik auszubrechen, packen sie ihre Kameras aus und fotografieren die Seuchenkontrolleure bei jeder Bewegung und lachen wie verrückt über deren Gebahren. Das macht es für uns etwas leichter, auch die Kinder sind nicht mehr ganz eingeschüchtert und zum Glück zeigt sich schlussendlich, dass keiner der Passagiere Fieber hat und wir können aussteigen. An Land geht die Gesundheitskontrolle weiter, man muss neben dem normalen Einreisezettel nun auch noch eine Deklaration ausfüllen, dass man keinen Kontakt hatte mit Leuten die Grippesimptome aufweisen, selbst nichts dergleichen hat und auch keinen Kontakt zu Schweinen hatte!
Der normale Zoll hingegen interessiert sich dann kaum mehr für uns und zum Glück auch nicht für unser Gepäck, in dem sich auch Tamiflu befindet - das hätte schöne Diskussionen gegeben, wenn sie das gesehen hätten!!! Ganz zu schweigen von den Spritzen und anderen Dingen, die sich in unserem mobilen Lazarett befinden!!

So geschah es, dass wir total müde morgens um 9 Uhr (wir waren am Vortag um 13 Uhr abgeflogen) in Shanghai in unserem Hotel ankamen, wobei Hotel leicht untertrieben ist. Wir erlauben uns, in einer sehr schönen modernen 3-Zimmer Wohnung zu wohnen, um den Kindern die Akklimatisierung zu erleichtern. Bis jetzt ist es aber sehr gut gegangen, und vor allem unsere Tochter Anja freut sich ständig über alles, war wir unternehmen und zeigt von uns allen die grösste Motivation.


Die Zeitverschiebung von +6 Std. haben wir bis jetzt besser als erwartet verkraftet. Am ersten Tag machen wir uns zu Fuss auf zum Yuyuan-Garden, verbringen die meiste Zeit jedoch dort im Bazar, und vor allem damit, von den Chinesen unsere Kinder fotografieren zu lassen! Wir produzieren wo wir hinkommen einen Menschenauflauf, sobald wir länger als 30 Sekunden stehenbleiben und sie merken, dass wir blonde Kinder haben, davon sogar 2 Stück, und solche Locken wie Sascha hat haben sie noch nie im Leben gesehen. Mindestens 1 Million mal sind die Kinder schon fotografiert worden, was nicht immer ganz einfach ist weil sie manchmal einfach nicht mehr herumgetragen werden möchten. Aber dennoch bin ich ganz überrascht, wie freundlich wir überall aufgenommen und betreut werden, alle Menschen zeigen eine grosse Hilfsbereitschaft, es ist auch alles sehr sauber und anständig, bisher hat noch niemand herumgespuckt, Rauchen ist vielerorts hier verboten, Abfall wird getrennt. Auf der anderen Seite laufen zwar 500 Automotoren der Regierungsmitglieder während deren Sitzung, damit es im Wageninnern nicht zu heiss wird, aber wenn es überall so wäre wie hier, denke ich, sind die Chinesen doch auf einem guten Weg. Als wir vor 7 Jahren hier waren, war alles noch ganz anders. Lustigerweise haben wir heute sogar das Schiff gesehen, mit dem wir dazumal von Shanghai nach Japan gefahren sind!

Teehaus vor dem Yuyuang Garten

Hier hat sich Sascha den richtigen angelacht
und hofft auf feine Nudeln...

... doch was soll ich bloss mit diesen Stäbchen?

Anja hat's auch schon herausgefunden, Mahlzeit!

Pudong

Aussicht vom Pearl Tower

Das genialste finde ich den Ausflug auf den Oriental Pearl Tower, den berühmten Fernsehturm und Wahrzeichen der Stadt. Normalerweise übervölkert wie der Eiffelturm in Paris, finden wir uns am Montag vormittag für chinesische Verhältnisse fast alleine wieder im Eingangsbereich, der für kilometerlange Menschenschlangen ausgelegt ist. Zu einem Sonderpreis können wir bis auf die oberste Kugel auf 350 m hinauffahren und die Stadt aus der Vogelperspektive überblicken. Den halben Tag fahren wir von einer Kugel zur anderen und entdecken immer wieder neue Dinge - vor allem aber werden wir von den paar Chinesischen Ausflüglern auch immer wieder entdeckt und noch mehr als die Aussicht abgelichtet!


Link zum Fotoalbum (auf Bild klicken)
Shanghai

Freitag, 1. Mai 2009

Unsere Route


Reiseroute China auf einer größeren Karte anzeigen

SA, 09.05.2009
13:05, Flug Zürich - Shanghai

SO, 10.05.2009
06:35, Ankunft in Shanghai
Transfer mit dem Taxi

Übernachtung im New Harbour Service Appartement, 2-Bed-Apartement

MO, 11.05.2009
Shanghai
Übernachtung im New Harbour Service Appartement, 2-Bed-Apartement

DI, 12.05.2009
Shanghai
Transfer zum Bahnhof
19:56, Abfahrt mit dem Zug Z92/Z93 von Shanghai nach Xian

MI, 13.05.2009
09:36, Ankunft in Xian
Transfer (500 m zu Fuss) zur Jugendherberge Qixian
Link zur Unterkunft
Besuch Wildganspagode u. evt. Terrakotta-Armee je nach Lust und Laune auf eigene Faust
Übernachtung im Familienzimmer

DO, 14.05.2009
10:56, Abfahrt mit dem Zug Nr. K591 nach Dunhuang

FR, 15.05.2009
09:36,
Ankunft in Liuyuan (Bahnhof für Dunhuang)
Transfer ins Hotel
Ausflug zum Mondsichelsee und klingender Sandberg auf eigene Faust (abends vor Sonnenuntergang!)
Übernachtung im Hotel "the silk road dunhuang" mitten in den Dünen.



SA, 16.05.2009
Besuch der Mogao-Grotten von Dunhuang
Übernachtung im Hotel "the silk road dunhuang" mitten in den Dünen

SO, 17.05.2009
Transfer zur 128 km entfernten Zugstation LIUYUAN
21:52, Abfahrt mit dem Zug Nr. T1067 nach Turpan

MO, 18.05.2009
06:33, Ankunft in Turpan
Transfer zum Hotel Oasis
Übernachung im Hotel Oasis (Uiguren-Zimmer mit Zusatzbett)

DI, 19.05.2009
Fahrt mit dem PKW und Führer von Turfan nach Ürümqi
Übernachtung im Hotel Mirage*****

MI, 20.05.2009
10:00 Transfer zum Flughafen
12:20, Abflug mit Air China CA4152 nach Chengdu (Terminal 2)
15:20, Ankunft in Chengdu
Transfer
Übernachtung im Sim's Cozy Guesthouse (www.gogosc.com)

DO, 21.05.2009
Besuch der Pandabären-Aufzuchtstation in 10 km Entfernung
Übernachtung im Sim's Cozy Guesthouse



FR, 22.05.2009
Reservetag Chengdu
Übernachtung im Sim's Cozy Guesthouse


SA, 23.05.2009
Tag zur freien Verfügung in Chengdu
Transfer zum Flughafen
21:55, Abflug mit Air China CA4451 nach Lijiang
23:05,
Ankunft in Lijiang
Transfer zur Unterkunft
Übernachtung: Lijiang - K2 International YH1 Guai Liu LaneKang Pu RoadShuhe, Lijiang 674100 China Tel. 86-0888-5130110Fax.
86-0888-5130115k2yha@163.com http://www.hihostels.com/dba/hostels-Jugendherbergen-Lijiang---K-International-YH-024651.de.htm

SO, 24.05.2009
Spaziergang durch die einmalige Altstadt
Übernachtung

MO, 25.05.2009
Fahrt mit dem Bus von Lijiang nach Dali (ca. 3.5 h)
Übernachtung im Jade Emu International Guest House, Dali

DI, 26.05.2009
Tag zur freien Verfügung in Dali
21:20 Abfahrt mit dem Zug Nr. N808/N805 nach Kunming

MI, 27.05.2009
06:44, Ankunft in Kunming
Tag zur freien Verfügung in Kunming
18:33 Abfahrt mit dem Zug Nr. K394 nach Guilin

DO, 28.05.2009
12:46 Ankunft in Guilin
Transfer (organisiert vom Lakeside Inn)
Besuch des 7-Star Parks oder der Red Flute Höhle
Übernachtung im Gästehaus Lakeside Inn im Familienzimmer

FR, 29.05.2009
09:00, Transfer vom Hotel zur Schiffsanlegestelle
Flussfahrt auf dem Li-River von Guilin nach Yangshou
14:00 Ankunft in Yangshou
Aufenthalt ca. 2 h
16:30 Busfahrt nach Xingping, Transfer zum Hotel
Übernachtung im Old Place Int'l YH



SA, 30.05.2009
Tag zur freien Verfügung
Übernachtung in Xingping
http://www.topxingping.com/EnMap.asp

SO, 31.05.2009
Rückfahrt nach Guilin
Besuch des 7-Star Parks oder der Red Flute Höhle
21:48 Abfahrt mit dem Zug Nr. T37 nach Shenzen

MO, 01.06.2009
10:23, Ankunft in Shenzen
Transfer vom Bahnhof zur Passkontrolle in Luohu. Von da auf eigene Faust weiter zum nächsten Bahnhof. Zug xy von Shenzen nach Hongkong
Nachmittags Ankunft in Kowloon (Hong Kong)
mit dem Taxi zum Hotel Salisbury
Übernachtung im "The Salisbury" YMCA (Harbour View!!)


Aussicht von unserem Zimmer!!!

DI, 02.06.2009
Hongkong, Übernachtung im "The Salisbury" YMCA

MI, 03.06.2009
Hongkong, Übernachtung im "The Salisbury" YMCA

DO, 04.06.2009
15:15 Abfahrt mit dem Zug Nr. 100 nach Shanghai

FR, 05.06.2009
11:10, Ankunft in Shanghai
Übernachtung im Hotel "The Bund Riverside" http://www.thebundriversidehotel.com/english/

SA, 06.06.2009
09:15, Abflug nach Zürich
16:00, Ankunft

Freitag, 9. Januar 2009



Unser Vorhaben

Vom 9. Mai - 6. Juni werden wir China bereisen. Genaueres folgt zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle.